Klassikkonzert 2025

Zauberlehrlinge

Es ist Donnerstagabend im Untergeschoss der alten Kaserne. Tobias ist dabei, sein faszinierendes Gewirr aus Röhren und Klappen auszupacken. Gerade hatte ich mich langsam am Anblick des Kontrafortes im Orchester gewöhnt, folgt schon die nächste Überraschung: neben meinem Stuhl thront völlig unerwartet eine Harfe.

Langweilig wird es bei den Proben für dieses Konzert sicher nicht. Nicht nur die Instrumente sind vielfältig, die Musiker sind es auch: meine rechte Nachbarn heissen im Wechsel der Stücke Marco, Manuela oder Jasmin. Und spätestens, wenn Ruth den Zauberlehrling ansagt, ist Konzentration gefragt: 940 Takte, die Pausen wohlweislich so eingestreut, dass man knapp noch blättern kann und für den Geschmack des einen oder der anderen etwas zu viel Schwarz auf der Partitur. Die Arbeit am Stück ist zu Hause wie in den Proben eine Herausforderung, Frust kommt dabei aber kaum auf. Wie Martin es nach der Probe treffend sagt: „Das Schöne am Zauberlehrling ist, dass alle am Kämpfen sind".

Vor dem Konzert steigt der Adrenalinspiegel dann schon ein bisschen: wird sich das Kämpfen auch gelohnt haben? Ausserdem gibt es auch auf der Zielgeraden noch Überraschungen: die Beleuchtung im Stadthaus zickt, Ruth fuchtelt mit dem Elderstab herum und ich frage mich schon den ganzen Nachmittag lang, was diese Schnur neben mir auf der Bühne soll.

Mit gerade mal 10 Minuten Vorbereitung in der letzten Probe hat die Konzerteinführung wie schon letztes Jahr etwas von einer Wundertüte, es kommen aber auch wieder ein paar spannende Fakten dabei heraus. Die Verse des Zauberlehrlings kommen mir vage bekannt vor, vermutlich hatte ich das auch mal im Deutschunterricht. Auch finde ich es schön, wie viele Leute schon so früh an einem Sonntagnachmittag für die Konzerteinführung hierherkommen.

Das Konzert findet schliesslich in einem recht vollen Saal statt. Nach einem tollen Hornsolo von Marco defilieren schon bald die Takte des Zauberlehrlings, und Manuela und ich wechseln uns mit unseren Patzern wunderbar ab, so dass wir zusammen eine ganz gelungene Einzelstimme abgeben. Am Ende des Stücks bin ich verschwitzter als nach mancher Joggingrunde, aber mit dem guten Gefühl, dass der Aufwand es wert war und das Stück gut rübergekommen ist.

Vor lauter Erleichterung vergesse ich fast meine Einsätze beim nächsten Stück, kann mich aber auch etwas zurücklehnen und den Rest des Konzerts geniessen. So machen The Witch and the Saint und Harrys Wondrous World wie immer Spass zu spielen, und ich schaffe es sogar, mich beim Wizard of Oz durch die bizarren Geräusche aus der Perkussion nicht von den Noten ablenken zu lassen. Das Publikum hat an den Stücken auch seine Freude und verdankt es uns mit sattem Applaus. Schliesslich wird auch das Rätsel um die Schnur gelöst, als eine Eule den Zauberstab für die Zugabe wieder auf die Bühne bringt.

Auch nach dem Konzert kommt Langweile nicht auf: die Klarinette ist noch nicht mal versorgt, da liegen schon die Noten der Carmina Burana vor mir. Diese werden zwischen dem Abräumen der Bühne und der Pizza danach bereits von allen eifrig studiert, verglichen und kommentiert. Ein neues spannendes Projekt kann auch schon wieder beginnen.

Matthieu Jaquier

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